Jahreskonferenz im Rückblick

Wie können Unternehmen die Potenziale älterer Beschäftigter gezielt nutzen? Welche Rahmenbedingungen braucht altersgerechtes Arbeiten? Und wie lässt sich wertvolles Erfahrungswissen langfristig im Betrieb sichern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der elften Jahreskonferenz der Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen, die am 2. Juni 2026 unter dem Motto „Silver Worker – Erfahrungswissen als Superkraft“ im Kurhaus Bad Bevensen stattfand.
Mehr als 100 Teilnehmende aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Arbeitsmarktinstitutionen nutzten die Konferenz für neue Impulse zur Fachkräftesicherung sowie für Austausch und Vernetzung. Die Veranstaltung machte deutlich: Angesichts des demografischen Wandels gewinnen altersfreundliche Arbeitsbedingungen, generationenübergreifende Zusammenarbeit und die gezielte Einbindung erfahrener Beschäftigter zunehmend an Bedeutung.
Zu Beginn begrüßte die Netzwerkkoordinatorin Sandra Mischke die Gäste und stellte das regionale Fachkräftebündnis vor. Die Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen unterstützt mit Fördermöglichkeiten aus Landes- und EU-Mitteln konkrete Maßnahmen zur Fachkräftesicherung in der Region. Wie vielfältig diese Ansätze bereits umgesetzt werden, zeigte der begleitende „Markt der Möglichkeiten“, auf dem sich aktuelle Förderprojekte während der gesamten Konferenz praxisnah präsentierten.
"Zukunftsorientierte Organisationen gestalten Arbeit so, dass Arbeitsfähigkeit, Motivation und Gesundheit über ein längeres Erwerbsleben hinweg erhalten bleiben können."
Den inhaltlichen Auftakt gestaltete Prof. Dr. Jürgen Deller von der Leuphana Universität Lüneburg. In seinem Vortrag stellte er den „Later Life Workplace Index“ vor und erläuterte neun Dimensionen einer altersfreundlichen Arbeitskultur. Dabei wurde deutlich, dass eine strategische Personalpolitik, lebensphasenorientierte Arbeitsgestaltung und die Anerkennung von Erfahrungswissen zentrale Bausteine sind, um Beschäftigte langfristig gesund, motiviert und wirksam im Unternehmen zu halten. Prof. Deller forscht zu diesen Themen auch international, unter anderem am Silver Workers Research Institute.
“Alter ist keine physikalische Größe - es ist eine Haltung.”
Im Anschluss setzte Greta Silver als Keynote-Speakerin einen inspirierenden Akzent. Die Podcasterin, YouTuberin und Silverpreneurin zeichnete das Bild einer Generation 55+, die krisenerprobt, resilient und voller Gestaltungskraft ist. Sie zeigte eindrucksvoll, welchen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert ältere Beschäftigte, Gründer*innen und erfahrene Fachkräfte leisten können – wenn ihre Kompetenzen sichtbar gemacht und aktiv eingebunden werden.
In drei parallel stattfindenden Workshops vertieften die Teilnehmenden zentrale Handlungsfelder des Konferenzmottos.
  • Monique Lutermann vom Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen e.V. erarbeitete mit den Teilnehmenden anhand konkreter Anwendungsbeispiele, wie „Künstliche Intelligenz dazu beitragen kann, Erfahrungswissen im Unternehmen für alle verfügbar zu machen“.
  • Der Workshop „Neue Perspektiven auf Erfahrung und Lernen im Unternehmen“ von Esther Dimitriadis und Sandra Timmer vom Wegweiser Weiterbildung widmete sich der Frage, wie Weiterbildung im späteren Berufsleben erfolgreich organisiert und umgesetzt werden kann. Im Fokus standen Personalstrategien, die Beschäftigte in unterschiedlichen Lebensphasen stärken und Lernprozesse im Unternehmen nachhaltig verankern.
  • Um die „Potenziale älterer Beschäftigter“ und die Zusammenarbeit in altersgemischten Teams ging es im Workshop von Nadine Kirchhoff und Maike Gauger-Lange von der Agentur für Arbeit Lüneburger Heide. Die Teilnehmenden setzten sich zunächst mit typischen gegenseitigen Vorbehalten verschiedener Generationen auseinander und entwickelten anschließend konkrete Maßnahmen, um generationenübergreifende Zusammenarbeit im Arbeitsalltag erfolgreich zu gestalten.
In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden die wissenschaftlichen und praxisorientierten Impulse des Tages einem Praxistest unterzogen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Jürgen Deller und Greta Silver diskutierten Ilka-Kristin Schwarz, Global Head of Human Resources der LAP Gruppe, sowie Hermann Bade, Inhaber der Bade Dächer GmbH & Co. KG Bad Bevensen, über Chancen und Herausforderungen altersfreundlicher Arbeitskulturen in Unternehmen. Dabei wurde deutlich: Altersgerechtes Arbeiten braucht keine Standardlösung, sondern passgenaue Strategien, die zur jeweiligen betrieblichen Realität passen. Neben einer systematischen Herangehensweise sind Offenheit, Führungskultur und konkrete Pilotprojekte entscheidend.
Die Jahreskonferenz 2026 zeigte eindrucksvoll: Erfahrungswissen ist eine zentrale Ressource für Unternehmen und Organisationen. Ältere Beschäftigte bringen nicht nur fachliche Expertise mit, sondern auch Problemlösungskompetenz, Stabilität, Netzwerke und wertvolle Erfahrung. Diese Potenziale sichtbar zu machen und aktiv in die Fachkräftestrategien der Region einzubinden, ist eine wichtige Aufgabe für die kommenden Jahre.
Wer das Thema weiter vertiefen möchte, ist herzlich zur Veranstaltung „Generationsübergreifend gut zusammenarbeiten“ eingeladen. Diese findet am Montag, den 22. Juni, ab 14 Uhr beim Landkreis Uelzen, Albrecht-Thaer-Straße 101, 29525 Uelzen, statt. Führungskräfte und Projektverantwortliche erhalten dort praxisnahe Anregungen, wie generationsübergreifende Teams erfolgreich zusammengeführt und unterschiedliche Arbeitsweisen sowie Bedürfnisse konstruktiv eingeordnet werden können.
Anmeldung: Generationsübergreifend gut zusammenarbeiten
Die Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen freut sich über die positive Resonanz zur Jahreskonferenz und bedankt sich herzlich bei allen Referierenden, Workshop-Leitungen, Projektträgern, Partnerinstitutionen und Teilnehmenden für den engagierten Austausch.
Die Jahreskonferenz 2026 war eine Gemeinschaftsveranstaltung des Arbeitgeberverbandes Lüneburg-Nordostniedersachsen e.V., der Agentur für Arbeit Lüneburger Heide, der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg und der Leuphana Universität Lüneburg im Rahmen der Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen.
Die Veranstaltung machte deutlich: Die Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen ist eine starke Plattform für Vernetzung, Förderung und innovative Projekte rund um die Gewinnung und Sicherung von Fachkräften. Weitere Informationen zu Fördermöglichkeiten bieten die Seiten der Allianz für Fachkräfte sowie der NBank.